Donnerstag, 26. April 2012

Stellungnahme zu den Vorfällen auf dem Weg nach Berlin

Mit insgesamt vier Bussen machten sich verschiedene Lautrer Fangruppen auf den Weg nach Berlin. Trotz der sportlich miserablen Lage unseres Vereins und den schon vor dem Spiel sicheren Abstieg in die zweite Fußball-Bundesliga war die Vorfreude bei allen groß, da es die gemeinsame Abschlussfahrt sein sollte. Doch was daraus wurde, wird allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben. Zunächst möchten wir chronologisch den Tag aus unserer Sicht schildern:

Gegen 4:40 Uhr erreichten die Busse die Raststätte Wetterau auf der A5. Dort kam es von wenigen Personen zum Diebstahl in einem Bistro. Wir möchten hier herausstellen: Dieses Vorgehen ist zu verurteilen und nicht korrekt, aber obliegt der Eigenverantwortung der Leute.

Kurze Zeit später erreichte die alarmierte Polizei den Rastplatz und stoppte drei der vier Busse. Der vierte Bus wurde kurze Zeit später von der Polizei auf der Autobahn gestoppt und zu einer Polizeiwache geführt. Zunächst hieß es, dass alle Insassen kontrolliert werden würden, da in dem Bistro angeblich Gegenstände im Wert von mehreren hundert Euro geklaut wurden. Jedoch wurden alle Busse nach kurzer Zeit mit Polizeibegleitung zurück auf die Autobahn geführt und die vier Busse trafen auf einem Parkplatz ca. 40 km hinter Wetterau wieder zusammen.

Die Polizei erklärte nun, dass sie die Busse bis nach Berlin eskortieren würde und zunächst kein Parkplatz angefahren werden darf. Erst nach ca. 200 km wurde uns gestattet, auf einen Parkplatz zu fahren. Dass dies insbesondere für die weiblichen Mitreisenden, von denen einige unbedingt ihre Notdurft verrichten mussten, sehr beschwerlich war, muss hier wohl nicht weiter erwähnt werden. Hier wurden zum ersten Mal für diesen Tag grundlegende Bedürfnisse eines jeden Menschen rücksichtslos übergangen. Eine Raststätte durften wir auf der ganzen Fahrt nach Berlin nicht mehr anfahren.

Gegen 13:15 Uhr erreichten die Busse die Stadteinfahrt Berlins. Hier wurde die Autobahn durch die Polizei von 3 Spuren auf eine verengt und die Busse wurden auf einen Parkplatz gelotst. Dort warteten schätzungsweise 150 Polizisten auf uns, ca. 30 Polizeiautos standen bereit.


Einer der Polizisten erklärte den Personen im ersten Bus, dass jetzt jeder Einzelne kontrolliert würde. Bei kooperativem Verhalten würden alle Leute das Spiel noch sehen. Schon zu diesem Zeitpunkt muss der Polizei bewusst gewesen sein, dass dies nicht der Fall sein wird. Nach und nach wurde jeder einzeln aus dem Bus zitiert, musste seinen Personalausweis abgeben, wurde von Kopf bis Fuß sehr penibel durchsucht und schlussendlich fotographiert. Mehrere Personen erstatten Widerspruch gegen das Fotographieren, jedoch wurden diese von den Beamten ignoriert, bzw. es wurde auf Kollegen verwiesen, die einen weiter verwiesen. Auch auf weitere Nachfrage erhielt man von der Polizei keine Auskunft, bei wem man genau Widerspruch einlegen kann. Allgemein wurden Nachfragen entweder gar nicht beantwortet oder sich lediglich darüber amüsiert.

Die Insassen aus den anderen drei Bussen durften ihren Bus währenddessen nicht verlassen. Da anfänglich die Sonne schien, wurde es in den Bussen extrem warm und das Warten somit zu einer körperlichen Belastung. Nachdem die Personen aus dem ersten Bus kontrolliert wurden, wurde der Bus durchsucht. Der Kofferraum wurde hierbei in Augenschein genommen, die Plätze genauestens durchsucht, alle Rucksäcke, Mülltüten und Jacken kontrolliert und selbst das Dach wurde mit Hilfe einer Leiter begutachtet. Die Personen aus dem ersten Bus wurden nach der Kontrolle in einem Polizeikessel festgehalten. Wer urinieren musste, wurde von der Polizei zu einem Waldstück begleitet. Möglichkeiten zum Händewaschen oder sanitäre Anlagen gab es nicht. Selbst als kurzzeitig ein starker Schauer hereinbrach, gab es für die schon kontrollierten Personen keine Unterstellmöglichkeiten.

Nachdem der erste Bus fertig kontrolliert wurde, wiederholte sich die gesamte Prozedur beim zweiten Bus. Die Insassen aus dem ersten Bus wurden nun gebeten an ihren Bus zu gehen. Angeblich hätten die Insassen sogar ans Stadion fahren dürfen. Dies kam allerdings nicht in Frage. Wir sind gemeinsam bis nach Berlin gefahren und fahren wenn dann auch gemeinsam ans Stadion. Dieses solidarische Verhalten wurde im Folgenden in spitzen Bemerkungen einzelner Beamter immer wieder ins Lächerliche gezogen. Insgesamt dauerte die Polizeikontrolle über drei Stunden. Viele Polizisten machten sich einen Spaß daraus, die Fans auszulachen, provozierten die Fans und warteten nur darauf, dass einer Widerstand leistet. Mehreren Fans wurden Nachfragen mit Aussagen wie „Ich schlag Dir gleich die Zähne aus“, begegnet.

Erst gegen 16:45 Uhr waren alle Busse kontrolliert und man wurde an das Stadion eskortiert. Warum auf freier Fahrbahn mit Tempolimit 50 km/h maximal 30 gefahren wurde, empfanden wir als weitere bewusste Schikane. Als gegen 17:05 Uhr das Stadion erreicht wurde beeilte sich der Großteil, um wenigstens noch die letzten Minuten vom Spiel zu sehen. Am Blockeingang war der Ordnungsdienst mit dem Eintreffen einer solchen Masse sichtlich überfordert. An manchen Eingängen ließen die Ordner die Insassen, welche alle im Besitz von gültigen Karten waren direkt passieren, an anderen Stellen nicht. So entstand eine angespannte Situation, die in einem Polizeieinsatz und mit mehreren Verhafteten endete. Während einige Fans auf die Verhafteten warteten, zog der Großteil weiter gen Gästeblock, wo tatsächlich erneut die Karten kontrolliert wurden und sich hinter den Ordnern bereits martialisch eine behelmte Polizeieinheit postierte.

Unter dem Jubel des Gästeblockes ging es die letzten Minuten hinein um zu zeigen, dass man sich trotz solcher Maßnahmen und Schikane nicht das nehmen lässt, wofür man lebt: Den Fußball und den 1. FC Kaiserslautern e.V.

Nach dem Spiel mussten wir noch über zwei Stunden auf den letzten Verhafteten warten, bis dieser die Stadionwache verlassen durfte. Auch auf dem Rückweg blieb die Polizei nicht fern und kontaktierte mehrfach die Busfahrer. Als man Nähe Braunschweig auf einen Rastplatz kam, wurden die Busse von 25 Polizisten in Empfang genommen. Was diese dort eigentlich genau für einen Auftrag hatten, wussten sie selber nicht. Gegen 5:30 Uhr morgens, nach maximal drei Minuten gesehener Spielzeit, erreichten die Busse Kaiserslautern.

So weit die chronologischen Ereignisse des Tages. Für uns werfen sich nun mehrere Fragen auf:

Was wurde angeblich geklaut und was wurde bei der Polizeikontrolle gefunden? Rechtfertigt dies einen solchen Polizeieinsatz?

Auf die ersten beiden Fragen können wir natürlich keine endgültigen Antworten geben. Allerdings scheint es nichts derart schwerwiegendes gewesen zu sein, dass den Bussen die Weiterfahrt untersagt worden wäre oder dass ein Insasse gar festgenommen worden wäre. Zudem gilt es zu betonen, dass es sich laut unseren Informationen bei dem Diebstahl um Waren in geringem Wert handelt, was das Delikt an sich nicht rechtfertigen soll. Wir halten die Aussage „im Wert von mehreren hundert Euro“ allerdings für zweifelhaft. Damit soll auch nicht das Verhalten einzelner gedeckt werden. Wir möchten aber deutlich die Frage nach Aufwand und Ertrag stellen. Danach, ob ein solcher Polizeieinsatz mit den damit verbundenen Kosten und Aufwand im Verhältnis zu dem steht, was letztendlich wirklich passiert ist. Bei Betrachtung der Kosten, die für ca. 150 Beamten allein während der Kontrolle anfallen, und dem Hinzurechnen von noch weiteren Kosten wie beispielsweise für die Fahrzeuge oder die Verpflegung, kommt man ganz schnell auf einen Betrag und Aufwand, der zweifelsfrei den Wert dessen ganz weit überschreitet, was laut Polizei angeblich entwendet wurde. Zieht die Polizei immer ein solches Aufgebot zusammen und schränkt derart unveräußerliche Grundrechte ein, wenn irgendwo eine handvoll Jugendliche einen Diebstahl von wenigen Euro begeht?

Welche Handlungsalternativen hätte es gegeben?

Drei von vier Bussen wurden noch direkt auf dem Parkplatz gestoppt, der Vierte kurze Zeit später auf der Autobahn, von wo aus der Bus direkt zu einem Polizeirevier geleitet wurde. Insofern schon hier das dringende Verlangen der Polizei bestand, wenige einzelne Leute, die ihrer Meinung nach in einem oder in mehreren der vier Busse unterwegs waren herausfiltern zu wollen, hätten die Maßnahmen direkt vor Ort durchgeführt werden müssen. Dadurch hätten wir auch im Anschluß auf weitere Pausen auf der Reise nach Berlin verzichten können, bzw. die Weiterreise gar nicht mehr antreten müssen, wodurch auch Kosten und Zeitaufwand hätten gesenkt werden können

Ebenso ist es gängige Praxis in deutschen Stadien, verdächtige Personen am Stadionausgang herauszuziehen. Auch dies hätte durch Auswertung des Videomaterial geschehen können, ohne dass alle Businsassen kollektiv unter den Maßnahmen leiden hätten müssen.

Durch die Anwesenheit eines Lautrer Zivilbeamten während der gesamten Kontrolle war klar, dass auch die Lautrer Polizei über den Vorfall informiert ist. Der Job der Beamten ist es, sich mit der Szene näher auseinanderzusetzen. Viele Personen sind ihnen, auch namentlich, bekannt. Der einfachste, unbürokratischste und für alle Beteiligten reibungsloseste Weg wäre es gewesen, das Videomaterial an diese zu übergeben und Ihnen die Auswertung zu überlassen. Es sind nur Mutmaßungen, die wir über die wahren Gründe dieser übertriebenen Maßnahme anstellen können. Ging das Ganze, auch wenn dies auf Nachfrage verneint wurde, vom anwesenden Lautrer Zivilbeamten aus, so dass er auf einen Schlag viele neue Personalien verbuchen kann?

Wie wir aufgezeigt haben gibt es in unseren Augen Möglichkeiten, diese Angelegenheit einfacher, unbürokratischer und in letzter Konsequenz kostengünstiger für den Steuerzahler zu regeln. Wir wissen allerdings nicht, ob dies überhaupt gewollt worden ist.

Wieso fand die Polizeikontrolle erst kurz vor Berlin statt?

Nachdem wir eben alternative Handlunsgmöglichkeiten der Polizei aufgezeigt haben, stellt sich natürlich ganz klar die Frage, wieso die Polizeikontrolle erst 8 Stunden und 530 km später, nämlich kurz vor Berlin, stattfand?

Die Dauer der Maßnahme war für die Polizei abzuschätzen, da man wusste, wie viele Insassen in den Bussen saßen und wie viel Einsatzkräfte zur Verfügung standen. Es stellt sich hier also die Frage, wieso man die Busse von Wetterau bis nach Berlin fahren lässt, obwohl man doch ziemlich sicher wusste, dass die Businsassen das Spiel nicht mehr sehen würden. Ein weiteres Indiz für gezielte Schikane.

Auch stellt sich uns die Frage, wieso die Kontrollen nicht beschleunigt wurden. Die Durchsuchung der Busse wurde lediglich von vier Beamten durchgeführt, auch die Durchsuchungen der einzelnen Personen wurden sehr langsam durchgeführt. Viele der zur Verfügung gestanden Einsatzkräfte machten schlichtweg gar nichts.

Für uns lassen diese Frage einen einzigen Schluss zu: Die Polizei wollte absichtlich verhindern, dass mehr als 200 Fans das Spiel sehen!

Konsequenzen

Natürlich werden wir mit Hilfe von juristischen Beistand die ganze Angelegenheit überprüfen lassen. Unter dem Strich bleibt für uns die nüchterne Erkenntnis, dass das bei vielen sowieso irreparabel geschädigte Verhältnis zur Polizei durch diesen Vorfall weiter verschärft wurde. Dieser Tag wird das Verhalten gegenüber der Polizei in der nahen Zukunft maßgeblich beeinflussen. Viele, gerade jugendliche Fans, erlebten zum ersten Mal hautnah eine solche Maßnahme, deren Ausmaß selbst Mitglieder der ersten Stunde in über zehn Jahren nicht erlebt haben. Was dies gerade in Jugendlichen auslöst sind Fragen, die sich die Polizei gar nicht erst stellt. Dabei ist sie genau darauf angewiesen: Auf das Vertrauen der Menschen aller Generationen.

Die angefallen Kosten, z.B. durch das angedachte und aufgrund der Maßnahmen abgesagte gemeinsame Grillen, als auch die Reisekosten für v.a. die jüngere Generation sind im Vergleich zu den Auswirkungen auf das eigene Rechtsempfinden, zwar nicht zu vernachlässigen, aber spielen eine eher sekundäre Rolle.

Wir empfinden die durchgeführte Maßnahme von Seiten der Polizei als reine Provokation und Schikane und behalten uns alle weiteren juristischen Schritte offen.

Gegen alle Kollektivstrafen,Vorverurteilungen und eine totale Überwachung!

Generation Luzifer 1998
Devil Corps
Pfalz Inferno
Frenetic Youth

Quelle: Szene KL

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